Onkologische Pharmazie Nr. 03/11

Für Krebpatienten schafft die Therapie mit oralen Darreichungsformen Freiräume für Beruf, Familie und Freizeit. Diese orale Zytostatikatherapie ist jedoch keine "kleine untoxische Chemotherapie", sondern erfordert in der ambulanten Versorgung eine noch intensivere Beratung.

Der Auslöser, eine geringer Dosis zu wählen oder keine Medikamente einzunehmen, sind seitens des Krebspatienten veilfältig und nicht immer therapiebezogen, wie ein jüngst gerichtetes Beispiel aus einer vogtländischen Apotheke zeigt:

Der Apotheker gibt für einen 58-jährigen Patienten Sutent® 50mg ab und weist ihn in die korrekte Einnahme und das Einnahmeschema ein. Die persönliche Auslieferung einer weiteren Bestellung aus der Apotheke ermöglichte 8 Wochen nach der Erstverordnung ein phamazeutisches Beratungsgespräch in der Wohnng des Patienten. Dabei stellte sich heraus, dass sich beide Packungen Sutent® noch immer ungeöffnet im Medikamentenschrank des Patienten befanden. Der Patienten, der den hohen Preis des Medikamentes bereits aus dem Gespräch mit dem Arzt kannte, erklärte, dass ein solch kostenintensives Medikament bestimmt auch Nebenwirkungen habe und dass ihm daher die Einnahme zu gefährlich erschien.

Mit mehr Information allein scheint es aber nicht getan zu sein. Denn auf die Therapietreue hatte die Versorgung mit Motivationsbriefen und Informationsbroschüren bei Bustkrebspatientinnen unter adjuvanter Hormontherapie im Rahmen des PACT Programms keinen nennenwerten Effekt.

Die Komplexitiät mancher Therapieschamata, neue zielgerichtete Therapien, selbstbewusste Patienten, psychosoziale und teilweise kulturell-religiöse Aspekte waren kürzlich der Anstoß, um eine individuell zugeschnittene Kommunikation und Motivation, ein professionelles Interaktions- und Nebenwirkunsmanagement, ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis sowie idelaerweise die Kooperation zwischen allen involvierten Heilberufen zu fordern (Ärztezeitung.de vom 22.07.11)

Um Ihnen, liebe Leiser, den Einstieg in einen solche Kooperation vor Ort im Interesse Ihrer gemeinsamen Krebspatpienten zu erleichtern, haben die Autoren in der heutigen Ausgabe der "onkologischen Pharmazie" zum Thema "Orale Zytostatika" wesentliche Beiträte zusammengetragen. Und so spannt sich dieser Bogen von der Magenverweilzeit oraler Darreichungsformen, die Do's and Don'ts sowie weitere prasixrelavante Informationen für die Orale Zytostatikatherapie über Hinweise zur Arzneimittel-Applikation über Sonden zur zur Complianceförderung und speziellen Kommunikationsaspekten - und letzteres auch aus einer interessanten Patientenperspektive.

Achten Sie in den nächsten Wochen auch auf aktuelle Informationen zum Start der DGOP-Initialtive "Orale Zytostaktika-Therapie - sicher und effektiv durch gemeinsame Beratung" und die entsprechenden Fortbildungen in Ihrem Kammerbezirk.

Dr. Karla Domagk (Chefredakteurin)

Onkologische Pharmazie Nr. 02/11

„Trinkwasser wird zum Medikamenten-Cocktail“ titelte Spiegel-online im August 2004. Untersuchungen zum Verhalten und zur Wirkung von Arzneimitteln in der Umwelt waren bis Anfang der 90er Jahre ein vernachlässigter Forschungs-bereich. Erst der „Berliner Clofibrinsäure-Fund“ hatte die Umweltsicherheit von Arzneimitteln auch in Deutschland stärker in den Blickpunkt von Forschung und Öffentlichkeit gerückt.

Auf Grund ihres Gefährdungspotentials für Mensch und Umwelt gelten Zytostatika als wichtigste Medikamentengruppe beim Eintrag in die Umwelt, insbesondere unter dem Aspekt ihrer kanzerogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Wirkung. Sie können größtenteils unverändert kommunale Kläranlage passieren, in Oberflächengewässer gelangen und sich in der Umwelt anreichern.
Die Weiterentwicklung analytischer Möglichkeiten führte dazu, dass immer mehr auch zytotoxisch wirksame Stoffe im Oberflächen- und Grundwasser nach-gewiesen werden und damit früher oder später auch im Trinkwasser gefunden werden können.

Lesen Sie, liebe Leser, in der heutigen Ausgabe der „Onkologischen Pharmazie“, welche Überlegungen es gibt, den Eintrag in die Umwelt zu verringern oder die Abwässer von Krankenhäusern von Schadstoffen zu befreien und welche Strategien zur Umweltbewertung existieren.
Aber auch „klassische“ pharmazeutische Themen zum Thema „Zytostatika und Umwelt“ bleiben aktuell, wie die regelmäßige Wartung von Sicherheits-werkbänken oder logistische Seiten des Zytostatika-Transportes.

Sollten Sie nicht auf dem 19. NZW in Hamburg gewesen sein, finden Sie die aktuelle Berichterstattung im vorliegenden Heft. Und seien Sie gespannt auf die Begründung der momentan unpopulären These: Mehrbettzimmer im Krankenhaus: ausdrücklich erwünscht!

Dr. Karla Domagk (Chefredakteurin)

Onkologische Pharmazie Nr. 01/11

Die Diagnose Krebs stellt auch heute noch eine Schock- und Ausnahme-situation für Betroffene dar. Ängste, Unsicherheit und Ratlosigkeit zeichnen ihre Situation. Durch Presse, Internet und Informationen aus dem Bekanntenkreis werden Informationen gesammelt, leider nicht immer seriöse, nicht immer wertfreie, nicht immer realistische Therapieempfehlungen. Alternativ-medizinische Verfahren wie die Homöopathie werden oft als „natürlich“ und „sanft“ beschrieben. Doch die Therapien können schwere Nebenwirkungen nach sich ziehen. Australische Kinderärzte meldeten hier sogar mehrere Todesfälle [Arch Dis Child doi:10.1136/adc.2010.183152].

Symptome besser kontrollieren, Beschwerden lindern und Lebensqualität verbessern, sind die erklärten Ziele der Komplementärmedizin. Viele dieser Behandlungen sind jedoch gegenwärtig noch durch eine nicht ausreichend belegte klinische Wirksamkeit und eine vielfach nicht geprüfte Sicherheit gekennzeichnet. Um den großen Bedarf nach verlässlichen Informationen zu Wirksamkeit und Sicherheit von KAM (Komplementäre und alternative Therapie) für Fachkreise und Betroffenen zu decken, gibt es bundesweit bislang drei Lehrstühle für Naturheilkunde (Rostock, Duisburg-Essen, Berlin), eine Professur für Homöopathie (Charité Berlin), eine Gastprofessur für Ayurveda (Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)) und das Universitäts-Klinikum Frankfurt baut als erstes onkologisches Spitzenzentrum den Bereich Komplementäre Onkologie aus.

Wenn bis über 90% der Patienten mit Tumorerkrankungen neben der konventionellen Therapie noch KAM-Methoden, also pharmakologische Substanzen mit potenziell hohem Interaktionspotential, anwenden, ist eine intensive Beschäftigung mit dieser Thematik auch für den Apotheker vor Ort dringend erforderlich.

Sie, liebe Leser, finden deshalb in der heutigen Ausgabe der „Onkologischen Pharmazie“ neben aktuellen Kongressberichten viel Interessantes zur Thematik „Komplementäre Pharmazie“. Die Typisierung von Krebspatienten und Rezensionen relevanter Bücher verleiten sicher auch Sie zu einer Vertiefung der Thematik und einer Intensivierung Ihrer pharmazeutischen Betreuung. Und achten Sie in den nächsten Wochen auf unsere bundesweit erscheinende Sonderausgabe zur DGOP-Initiative „Orale Zytostatika – sicher und effektiv“.

Dr. Karla Domagk (Chefredakteurin)

Onkologische Pharmazie

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